Was wir aus dem Gespräch »Update Taiwan: Zur Resilienz einer Demokratie im geopolitischen Spannungsfeld« mitnehmen

Am 19. März 2026 durfte das Forum für wehrhafte Demokratie e.V. den Repräsentanten der Republik Taiwan in Deutschland, Herrn Dr. Klement Ruey-sheng Gu und den erfahrenen Asien-Korrespondenten Herrn Andreas Landwehr zu einer weiteren Präsenzveranstaltung in Göttingen begrüßen.

Von

Daniel Schüßler

Nach einer Vorstellung durch Herrn Harm Adam übernahm Herr Konrad Waschkies die Moderation und Themenansprache für die zwei Gäste, die in einem Impulsvortrag einleitende Worte zur Qualität und Resilienz der Republik Taiwan und über die Bedrohungslage durch China fanden.

Herr Dr. Gu gab den ersten Impulsvortrag, in dem er auf die Ähnlichkeiten im Bezug auf die demokratische Qualität zwischen Deutschland und Taiwan (beim Demokratie-Index liege Taiwan auf Platz zwölf, Deutschland folge auf Platz 13), die enge wirtschaftliche Verflechtung Taiwans mit Europa und die Wichtigkeit des freien Seehandels verwies, der über die Straße von Taiwan laufe. Herr Dr. Gu erlaubte sich den Scherz, die taiwanesische Führungsrolle im Bereich der Entwicklung künstlicher Intelligenzen mit dem Namen der Inselrepublik zu verknüpfen und meinte, die einzelnen Buchstaben Taiwans stünden für Top A I Wonderful Attractive Nation. Herr Dr. Gu führte weiter aus, dass Taiwan und das Europäische Parlament durch beidseitig geteilte demokratische Wertevorstellungen in der Zukunft engere Kooperationsformen eingehen könnten und sollten.

Herr Landwehr resümierte in seinem Impulsvortrag über die außenpolitische und militärische Agenda Chinas, seitdem Xi Jinping Staatsoberhaupt der Volksrepublik China wurde. China sei kein Entwicklungsland mehr und es verändere die geopolitische Großwetterlage und Machtbalance im Indo-Pazifik. Die demokratische und militärische Resilienz Taiwans sei nach Herrn Landwehrs Ansicht massiv durch Chinas konfrontative Außenpolitik und hybride Einmischungs-Kampagne in Taiwan herausgefordert. Desinformationskampagnen z.B. durch KI-generierte Falschinformationen, die das Vertrauen der BürgerInnen Taiwans in ihre Regierung und Staatsform untergraben sollen und ständige, überdimensionierte chinesische Militärmanöver in unmittelbarer Nähe zu taiwanesischen Hoheitsgebieten seien darauf ausgerichtet, die militärische Verteidigungsfähigkeit und den gesellschaftlich-demokratischen Zusammenhalt in Taiwan zu destabilisieren. In dieser Hinsicht stimmte Herr Landwehr mit Herrn Dr. Gu überein, dass Deutschland und Europa von Taiwan im Bereich der Umgangsstrategien mit hybriden Bedrohungen lernen könnten.

Im moderierten Diskurs teilten Herr Dr. Gu und Herr Landwehr ihre Einschätzungen zur sog. kognitiven Kriegsführung. Darunter sei nach den Einschätzungen der beiden Gäste zu verstehen, dass staatlich aufgetragene Desinformationskampagnen Chinas die Souveränität Taiwans infrage stellen und Gerüchte und Lügen über taiwanische PolitikerInnen streuen sollten. Es bestehe nach Herrn Dr. Gus Auffassung kein Zweifel, dass staatliche Akteure Chinas hinter dieser Kampagne steckten, es sei vielmehr die Frage, wie man mit dieser Form der Beeinflussung umgehen sollte. Taiwan bemühe sich deshalb sehr, Faktenchecks in den sozialen Medien zu betreiben und faktenbasierte Beiträge schneller zu verbreiten als die widerlegbaren Beiträge. Zudem müsse laut Herrn Dr. Gu die wirtschaftliche Abhängigkeit Taiwans von China weiter vorangetrieben werden.

Durch seine langjährige Arbeit als dpa-Korrespondent habe Herr Andreas Landwehr gute Gründe anzunehmen, dass China sich in die Ausgangslage versetze, die eigenen strategischen Selbstansprüche auch notfalls mit militärischer Gewaltanwendung zu verwirklichen. China strebe bis 2049 die “Bereinigung der Grenzkonflikte” mit den Nachbarstaaten (z.B. Tibet) an. Um dieses gefährliche Taktieren durchsetzen zu können, fasste Herr Landwehr zusammen, dass sich China spätestens seit dem Amtsantritt Jinpings militärisch massiv aufgerüstet, sowie modernisiert habe und neue militärische Führungseliten eingesetzt seien, die politisch vollkommen auf Regierungskurs seien und dass Taiwan stark von der militärischen und diplomatischen Unterstützung der Vereinigten Staaten abhängig sei. De-Risking sei zwar ein guter Schritt in die richtige Richtung für Herrn Landwehr, aber Taiwan müsse diese Strategie auch in form eines allumfassenden, militärischen Verteidigungsplans selbstverantwortlich umsetzen, um China vor möglichen Annexionsplänen abschrecken zu können. Daher kamen beide Gäste des Forums zu dem Schluss, dass die auf ein Jahr verlängerte Dauer der Wehrpflicht in Taiwan folgerichtig sei.

Auf die höfliche Nachfrage eines Gastes der Veranstaltung, warum der Repräsentationsanspruch, der einzig legitime chinesische Staat zu sein, der zwischen China und Taiwan besteht, im bisherigen Verlauf der Veranstaltung kaum behandelt wurde, räumte Herr Dr. Gu ein, dass diese Frage noch ungelöst sei. Herr Dr. Gu plädierte aber dafür, dass diese grundlegende Frage nach der internationalen Anerkennung Taiwans friedlich und demokratisch gelöst werden sollte. Herr Dr. Gu wählte in Anbetracht der düster erscheinenden Sicherheitslage für Taiwan und Europa ein Mut zusprechendes Zitat, das Martin Luther zugesprochen wird: Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen. Mit diesen Worten beendete Herr. Dr. Gu die Veranstaltung in der Galerie Alte Feuerwache.

Das Forum für wehrhafte Demokratie e.V. bedankt sich herzlich bei Herrn Dr. Klement Ruey-sheng Gu und bei Herrn Andreas Landwehr für Ihre fachkundigen Einblicke, ihre spannenden Anekdoten und für die Zeit, die Sie der Veranstaltung geschenkt hatten.